Aktualisierung von Schwierigkeitsangaben
Folgende Gebiete wurden bis jetzt mit den unten beschriebenen Schwierigkeitsangaben ausgestattet:
Um auf die von vielen Seiten angeregten Fragen um die Schwierigkeitsangaben bzw. ständigen Diskussionen wie schwer denn nun eine bestimmte Route sei einzugehen, sollen an dieser Stelle einige Informationen zu mehr Klarheit führen:
In den letzten Jahren hat sich der Kletterstil stark gewandelt, was die Schwierigkeiten der gekletterten Routen zwar beeinflusst, jedoch nicht immer mit den früheren Vorstellungen bei der Bewertung des Grades kompatibel ist. Dieses führte dazu, dass die ohnehin subjektiv empfundenen Schwierigkeitsangaben in unterschiedlichen Gebieten oft sehr weit auseinander klaffen.
Schwierigkeitsangaben werden von vielen als eine absolute Größe betrachtet, und dabei nicht akzeptiert dass es in erster Linie darum geht, zumindest die Routen in einem Gebiet auf einer Schwierigkeitsskala vernünftig anzuordnen. Diesen Umstand zu berücksichtigen verlangt eine genauere Angabe des Kletterstils.
Die Schwierigkeitsangaben werden also hier zukünftig in mehrfacher Weise angegeben.
PP (präpariert – bzw. PinkPoint):
der zur Zeit am häufigsten praktizierte Stil beim Sportklettern:
Die Route wird vorbereitet (getuned): Schlingen oder Schlingenketten werden vorgehängt, Griffe und Tritte werden geputzt und mit Magnesium (oder gar Farbkreiden) markiert/präpariert.
Die Kletterstellen werden lange studiert bzw. probiert und perfektioniert und dann bei möglichst guten Verhältnissen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit schließlich begangen – der Übergang zum Topropestil (TR) ist ein fließender!
RP (Rotpunkt – ein Stil geprägt von K. Albert aus den Anfängen des Sportklettern):
Die Route wird von unten begangen, alle Expressen (oder andere Sicherungen) werden aus der Kletterstellung angebracht.
Gelingt die Begehung ohne vorhergehendes Studium der Route spricht man von einer Onsight-Begehung (OS) Nach einem Sturz wird das Seil abgezogen und erneut von unten begonnen um zu einer RP – Begehung zu kommen (genau genommen müssen auch die Schlingen wieder entfernt werden, da man sich sonst schrittweise wieder einer PP- Begehung nähert!)
Es darf und soll nun jeder so machen wie es gefällt.
Bei der Bewertung kann man die Unterschiede aber nicht unberücksichtigt lassen, wenn Vergleichbarkeit gegeben sein soll!
Die Unterschiede in diesen Stilen sind evident. Nicht nur physisch ist eine RP-Begehung eine schwierigere Sache – man braucht ja zusätzliche Zeit um die Sicherungspunkte von oft schwierigeren Positionen einzuhängen, sondern auch – und vor allem psychisch ist die Belastung eine ungleich größere. Die vorgehängte Schlinge ist oftmals der Rettungsgriff den man vor Augen hat, und den man auch nutzen kann um einen Sturz zu vermeiden, wenn man eine Stelle anklettert, von der man nicht mit Gewissheit erwarten darf diese auch zu meistern.
Diese Unterschiede sind je nach Route und Gegebenheit manchmal gering, aber in anderen Fällen enorm!
Aus diesem Grund werden auf www.wachauclimbing.net dort wo es zu deutlichen Unterschieden kommt sowohl PP wie auch RP Bewertung angegeben. Es bleibt darauf hinzuweisen, das sich in immer mehr Gebieten die Schwierigkeitsangaben auf eine PP-Begehung beziehen, was dann natürlich zu beträchtlichen Unterschieden führen kann, und bei einem Vergleich mit anderen Gebieten berücksichtigt werden muss, wenn dies einen Sinn haben soll!
Einige charakteristische Beispiele:
- DÄUMLING:
- Jenseits von Eden (PP 7+) RP 8-
- Venia Legendi (PP 9-) RP 9
- CIVETTA:
- Jungwirth Gedenkweg (PP 7) RP 7+
- Kronjuwel (PP 7+) RP 8
- Himmelsstürmer (PP 7+/8-) RP 8
- NASENWAND:
- Albatros (PP 8+) RP 8+/9-
- Via Stachanow PP (8) RP 8+
- Q.E.D. (PP 8+/9-) RP 9-/9
- Gnothi Seathon (PP 8+) RP 9-
- Paradigma (PP und links d. Kante etwa 8+/9-) RP direkt an d. Kante 9
Wegen der „Kletterfreundlichkeit“ des Gesteins in der Wachau kann man fast jeden Quadratmeter beklettern. Das führt dazu, dass man oft Kletterer sehen kann, die aus Routen ausqueren um zu rasten, Henkelgriffe in Nachbarrouten benutzen und sich eine 25m Seillänge in viele Teilabschnitte zerlegen, um dann die Schlüsselstelle zu einem Boulderproblem zu degradieren, das sich halt gerade 15m über dem Boden befindet.
Wenn zuvor noch alle Griffe mit Magnesia markiert wurden und nach unzähligen Versuchen das Problem schließlich eine PP-Begehung erhält, so ist der dann oft zitierte Satz:
“… in (…..) wäre diese Route aber höchstens eine 7- “
zwar verständlich, zeigt aber gleichzeitig auch einen Defizit an Urteilskraft oder eben den Informationsmangel, den dieser Artikel reduzieren helfen soll.
Neben den zu klärenden Stilfragen die den größten Unterschied bei den Bewertungsversuchen ausmachen, bleiben dann ja noch viele Faktoren (wie Körpergröße, Temperatur und Luftfeuchtigkeit, Veränderungen in der Route, Spezialistentum, …) die niemals eine genau und endgültige Bewertung zulassen.
Schwierigkeit Schwierigkeitsbewertung
Autor: Josef Brandl
Das Bewerten der Schwierigkeit einer Kletterroute ist ein komplexes Problem, dem man sich nur mit viel Erfahrung einigermaßen sicher nähern kann. In unserer Gegend ist die gebräuchlichste und am längsten verwendete Schwierigkeitsskala, die sog. UIAA-Skala. Aus Modegründen, und weil Sportkletterer immer häufiger immer weiter entfernte Gebiete im Ausland besuchen, wird auch zunehmend die französische Skala benutzt. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Skalen, auf die hier einzugehen zu weit führen würde. Folgende weithin akzeptierte Vergleichstabelle erlaubt zumindest einigermaßen einen Vergleich zwischen den gängigsten Skalen.
Einige der wichtigsten Probleme, die es beim Bewerten zu beachten gilt, sollen hier kurz angeführt werden: Die Bewertung bezieht sich auf einen ganz bestimmten Begehungsstil, der im Sportkletterbereich als Rotpunktbegehung bezeichnet wird. Gemeint ist damit eine Begehung, bei welcher der Kletterer im Vorstieg, alle Sicherungen im Zuge der Begehung selbst anbringend, in einem Zuge, ohne Sturz die Route durchklettert, ohne dabei künstliche Haltepunkte zu verwenden. Das Seil dient dabei ausschließlich der Sicherung und darf nicht als Kletterhilfe fungieren.
Im Zuge eines stetigen Annäherns an persönliche Limits mussten Kletterer immer wieder Konzessionen an diesen Stil machen (weil eben eine Begehung nur fast im Rotpunktstil erfolgte), was zu verschiedenen Bezeichnungen für diverse Stilvarianten (Toprope, Pinkpoint, A0, Rotkreis, usw.) führte. Diese Vielfalt an Begehungsstilen macht das Problem des Bewertens insofern noch schwieriger, weil man seine persönliche, wie auch immer geartete Begehung in dieses Bewertungsschema zu pressen versucht.
Macht man es sich zur Regel einen Bewertungsvorschlag erst dann abzugeben, wenn man eine Rotpunktbegehung erreicht hat, so hat man schon einen wichtigen Schritt in die Richtung einer halbwegs objektiven Bewertung getan (soweit das überhaupt möglich ist!).
Da wie auf anderen Gebieten die Spitzenkletterer oft als Trendsetter auftreten, hat sich das Vorhängen von Schlingen weit verbreitet. Dieser Stil wird Pinkpoint genannt, wobei der Übergang zum Toprope ein fließender ist, da immer längere Schlingen oder Schlingenketten den Unterschied zwischen diesen Stilen verschwinden lassen! Auf jeden Fall bedeutet dieser Stil eine physische Erleichterung (man spart ja Kraft und Zeit), die je nach Gegebenheiten u.U. vernachlässigbar ist.
Die psychische Entlastung ist aber meistens der Grund für die Wahl diese Stilart und diese ist meist ganz erheblich! Welcher Stil auch immer bevorzugt wird, ist Sache jedes einzelnen Kletterers, es soll ja in erster Linie auch Spaß machen, was bei großen psychischen Anforderungen ja nicht mehr gegeben sein muss. (Es gibt auch Kletterer die aber gerade diesen Aspekt suchen!) Eine notwendige Bedingung für die Bewertung von Schwierigkeiten einer Route ist eine Begehung unter vergleichbaren Voraussetzungen. Andernfalls kommt es zur Einführung weiterer Skalen, was zwar nicht im Sinne besserer Vergleichbarkeit liegt, aber implizit doch geschieht, wenn man Bewertungen unterschiedlicher Gebiete betrachtet!
Ein anderes Problem hat sich durch die enorm verbesserte Sicherungstechnologie ergeben. (Klebehaken in kurzen Abständen, Seile, die praktisch nicht reißen, usw.)
In vielen Routen ist es leicht möglich einzelne Passagen problem- und gefahrlos immer genauer einzustudieren und die erforderlichen Bewegungsabläufe zu optimieren. (die Route wird praktisch in Boulderpassagen zerteilt) Züge, die zunächst von einem Kletterer gar nicht ausgeführt werden können, werden nach hinreichend vielen Versuchen soweit aufgelöst, dass sie im Nachhinein eigentlich kein Problem mehr darstellen. Dies führt häufig dazu, dass man für derartige Begehungen einen viel zu geringen Schwierigkeitsgrad vorschlägt.
Oft spielt auch die Überlegung eine Rolle, dass ein anderer Kletterer einen Bewertungsvorschlag als zu hoch abqualifizieren könnte, was ein beliebtes Signal sein kann um uns mitzuteilen, dass er ja viel besser ist, hat er doch die Schwierigkeiten nicht als solche empfunden! Dies führt in der Regel dazu, Schwierigkeiten eher zu niedrig zu bewerten.
Als letztes Problem sei hier der Umstand angeführt, dass Bewertungen in verschiedenen Gebieten oft sehr stark differieren können (individuelle psychologische Phänomene lassen sich auch in Gruppenstrukturen wiederfinden) Dieses Problem ist aber kein besonders drängendes, solange die Bewertungen innerhalb des Gebietes stimmig sind! Es ist sicher sinnvoll, wenn jeder Kletterer eigene Überlegungen zu den Bewertungen anstellt, diese mit seinen Erfahrungen in Einklang zu bringen versucht, und sich nicht krampfhaft an Zahlen festhält, die irgend jemand, irgend wann, irgend wo hingeschrieben hat!



