Wachau Climbing Klettern in der Wachau

21Sep/050

Äolsharfen & Sphärenklänge

Autor: Josef Brandl

Exakt ab dem Zeitpunkt des astronomischen Sonnenunterganges wird ein Besucher der Ruine Dürnstein bzw. der Kletterfelsen, für die Dauer von 15 Minuten von sehr ungewöhnlichen "ätherischen" Klängen, die scheinbar aus dem Nichts zu entstehen scheinen, überrascht.

Bei günstigen Windverhältnissen sind diese Töne sogar im Bereich der Hohen Wand oder auf der Nasenwand zu vernehmen.

Die ruhigen Töne betonen in ihrer Eigenart das Wesen und den Charakter dieser oft archaisch und mystisch anmutenden Landschaft rund um die alte Burgruine.

So vielschichtig wie die computergenerierten Klänge sind auch die Reaktionen und Meinungen der wahrnehmenden Menschen. Von schroffer Ablehnung bis Begeisterung reicht hier das Spektrum der Ansichten.

Seit dem 1. Juni 1998 ist das "Klang Raum Projekt" des Schweizer Komponisten Walter Fähndrich eingerichtet und täglich wahrnehmbar. Die Installation geht auf eine Initiative der KUNST.HALLE.KREMS zurück und ist speziell für den "Wunderburggraben" entwickelt worden

Es ist eines der Privilegien der Kunst, Kontroversen zu produzieren, anzuregen in sich zu hören, Aspekte der Welt aufzuzeigen, die Sinne zu fokussieren und schließlich den Prozess des eigenen Denkens zu fördern. Das resultierende Urteil mag nun jeder so fällen, wie er dazu im Stande ist. Faktum ist, dass man um eine Wahrnehmung in dieser spezifischen Art reicher nach Hause geht!

Die erzeugten Töne gleichen jenen einer Äolsharfe*) (wird auch als Wind- oder Geisterharfe bezeichnet). Es ist dies ein Musikinstrument bestehend aus einem rechteckigen Resonanzkörper, über den vier bis zwölf gleich lange Saiten unterschiedlichen Durchmessers gespannt sind. Die Saiten sind auf den gleichen Ton gestimmt. Dieses einfache Instrument wird nicht im herkömmlichen Sinne "gespielt", sondern an einer Stelle aufgestellt, an der die Saiten durch den Wind in Schwingung versetzt werden. Wegen der unterschiedlichen Saitenstärke erklingen unterschiedliche Obertöne des gleichen Grundtones. Je stärker der Luftzug ist umso mehr Obertöne erklingen, was einen ätherischen, unheimlich anmutenden Klang erzeugt (Musiker würden diesen auch als "schräg" bezeichnen). Die Geschichte der Äolsharfe reicht zurück bis in das Alte Testament. Im 10. Jahrhundert entwickelte ein Benediktinermönch eine Harfe, die allein durch den Wind gespielt wurde. Im 19. Jahrhundert baute ein Franzose ein fünf Oktaven umfassendes Modell mit drei Saiten und einer Tastatur, das einen Luftstrom erzeugte, wenn man die Tasten drückte

*)Der Name leitet sich von Äolus, dem Herrscher der Winde in der griechischen Mythologie ab. Dieser lebte mit seinen sechs Töchtern Söhnen und sechs Söhnen auf der schwimmenden Insel Äolia. Ihm wurde vom Göttervater Zeus die Macht verliehen, die Winde zu beherrschen.

16Sep/043

Spiegel Speed

Autor: Gernot Goluch

Am 16.Jänner 2005 wurde ich Zeuge eines denkwürdigen Ereignisses. Ich versuche euch, meine lieben Leser, jenes Erlebnis näher zu bringen, ohne jedoch den Versuch zu wagen diese von Wagemut und Können strotzende Tat wirklich zu beschreiben, dies muss man selbst gesehen haben.

Als wir zu Mittag dieses unglaublich schönen Wintertages in den Dürnsteiner Klettergarten aufbrachen, hatten wir noch keine Ahnung. Unbeschwert schritten wir unseres Weges vom Dürnsteiner Bahnhof in Richtung Klettergarten. Zu jenem kleinen Grüppchen gehörten Josef Brandl, Laurids Brandl und ich, Gernot Goluch. Das Wetter war unglaublich schön. Die Sonne erwärmte den Fels und es stand einem perfekten Klettertag nichts mehr im Wege.

Unsere erste Anlaufstation war, auf Drängen des "Mirror - Master's himself" Laurids Brandl, natürlich der Spiegel. Jener Ort an dem uns dieser junge Kletterer schon an Kunststücken wie die legendäre No-Hand Begehung teilnehmen ließ. Wir machten uns also auf den Weg und je näher wir unserem Ziel kamen desto ruhiger wurde Laurids, im Nachhinein kann man es vielleicht als mentale Vorbereitung auf jenes Ereignis deuten das ich nun zu beschreiben versuche. Angekommen warf er sich sofort in die Kletterschuhe und in seinen Klettergurt.
Bevor er loslegte prophezeite er uns "Heute brauch ich nur 40 Sekunden".
Uns stockte das Blut in den Adern! Kann dies möglich sein?! Wir fühlten eine "Separate Reality" auf uns zukommen, war dies ein Traum oder doch die Realität. Bevor wir den Gedanken zu Ende führen konnten kletterte, nein sprintete, dieser Junge los. Ein Tritt nach dem anderen wurde angestiegen. Wie eine Gazelle hüpfte er die furchterregnende Granitplatte hinauf. Tritt um Tritt um Tritt. Als er "Oben" rief, drückte ich die Stopp Taste meiner Uhr und was sah ich da:
36,58 Sekunden.

Voller Ehrfurcht erwarteten wir seine Rückkehr. Doch am Boden angekommen meinte dieser nur "Das geht noch schneller" und bevor wir uns jenes Satzes Gewahr wurden sprintete Laurids auch schon wieder los.

Wie soll ich diese Geschichte nun schließen? Ich weiß es nicht, vielleicht am besten mit einer kleinen Herausforderung: "Kommet ihr Hardmover, Dynamo-Fetischisten und Leistenreisser, versucht euch einmal daran!" und einen Blick in die Zukunft: "Valle di Mello aufgepasst, ein neuer Granitplattenkönig ist auf dem Weg"

lg Gernot