Sardinien
Einige objektiv subjektive Eindrücke zu einer Kletterreise nach Sardinien, gedacht als persönliche Betrachtungen und Informationsquelle für interessierte zukünftige Sardinienreisende. Mit dem Auto trotz problemloser Verkehrsverhältnisse insgesamt doch recht mühsam (ca. 9h Fahrzeit für Wien-Livorno) nach Livorno. Mit der Fähre (Abfahrt2200), die man so spät wie möglich betreten sollte (Empfehlung: Verpflegung und Schlafsack für die Überfahrt nicht vergessen!), über Nacht nach Olbia (Ankunft 630)
Um die Insel besser kennen zulernen nehmen wir nicht die kostenfreie Autobahn, sondern die Küstennahe Strasse, was wohl schöne landschaftliche Einblicke bescherte, das Reisetempo jedoch extrem drosselt, und die Magennerven aller Fahrgäste gehörig strapaziert.
Wilde und archaische Berglandschaften, Herden von Kühen, Schafen, Ziegen und einiger „Halbwildschweine“ sind häufig anzutreffende Bewohner Sardiniens, wobei man diesen auch mitten auf der Strasse begegnet, da man Zäune nicht kennt (man ist ja auch auf einer Insel
)
Im Supramonte wie die Landschaft genannt wird, in dem Dorf Girasole zwischen Baunei und Tortoli haben wir ein reizendes Hotel welches entgegen den herrschenden Unkenrufen völlig untouristisch eine sehr gute Qualität zu einem günstigen Preis offeriert.
Die nächsten 9 Tage sollen nun ausschließlich dazu dienen dem Klettern zu frönen.
Die berühmten Gebiete von Cala Gonnone und Isili sind zwar nur 50 bis 60 km von unserem Basislager entfernt, und stehen auch auf dem Programm. Um nach Cala Gonnone zu gelangen brauchen wir aber eine gute Autostunde und einen starken Magen.
Eine wichtige Tatsache wir uns nun klar – will man klettern, so wähle man seine Ziele nahe – es gibt ja auch reichlich davon!
Cala Gonnone ist ja zu Recht einer der bekanntesten Orte. Landschaftlich sehr reizvoll am Meer gelegen bietet es viele Gebiete rund um den Ort, die sogar zu Fuß ohne größeren Aufwand erreicht werden können.
Die Ausstattung und Absicherung der Gebiete ist mustergültig. Der große Nachteil ist aber in der in letzter Zeit üblich gewordenen Unsitte, die leider immer mehr Klettertouristen an den Tag legen zu finden. Man trifft hier ein buntes Gemisch an Leuten, die ihre Seile in Routen hängen, diese den ganzen Tag belegen, meist den Schwierigkeiten der Route in keiner Weise gewachsen, sich lautstark produzierend über Schwierigkeitsgrade oder die sonst üblichen Themen ergehen.
Toprope und sich an den Schlingen hochkämpfenden Selbstdarstellern ist man hier schutzlos ausgeliefert. Eine Atmosphäre die wie sie scheint von immer mehr geschätzt und gesucht wird, kann nach einigen Stunden ordentlich nervig werden, auch wenn des Fels noch so schön ist.
Wer es in der Region um Cala Gonone doch etwas ruhiger haben will findet diese im Arcadeo, ein bisschen abseits vom Meer gelegen. Dort wartet toller Fels und ebenso tolle Routen die sich mit den berühmten Buchten und Klippen am Meer sicherlich messen können.
In den weiteren Tagen verlagern wir uns in die weniger gerühmten Gebiete von Baunei (Villagio Gallico, Creuza de ma) und in die Umgebung von Jerzu, Ulassei & Osini.
Der Canyon von Sa dappara, das Palazzo d’inverno, Die Isola del tesoro und Il castello sind die Gebiete die wir nun besuchen.
Bis auf ein paar Hirten und einige vereinzelte Seilschaften sind Schafe und Ziegen und die bereits erwähnten „Halbwildschweine“ die einzigen Lebewesen denen wir hier begegneten.
Bemerkenswerter Weise treffen wir auch ein österreichisches Team, das wir seit einigen Jahren immer wieder treffen und das offensichtlich unseren Klettergeschmack teilt!
Phantastischer Fels, perfekte Absicherung riesige Routenauswahl auch leichterer gut gesicherter Wege, tolle Landschaft und bestes Kletterwetter lassen uns vergessen auch einmal einen Ruhetag einzulegen. Nähere Informationen zu diesen Gebieten finden sich unter anderen unter den folgenden Weblinks: www.ulassai.net, www.coronn.com, www.toscoclimb.it, www.triesteonsight.it, www.stonemonkey.dk.
Speziell dass Villagio Gallico wird wegen seiner Nähe zu unserem Quatier und ebenso wegen seiner phantastischen Linien zu unserem “Hausberg” ernannt und öfters als einmal besucht. Die Absicherung ist top, der Zustieg gleich null (was für manche Kletterer bekanntlich kein allzu großer Nachteil ist
) und die Routen, egal in welchem Schwierigkeitsgrad, ein Genuß .
Die roten Basaltfelsen von Arbatax und am Rückreisetag das Gebiet von Siniscola runden die Eindrücke einer perfekten Kletterwoche ab.
Da wir sogar in den von uns besuchten Gebieten nur einen Bruchteil der Möglichkeiten kennen lernen durften, zeigt uns ein Blick in den tollen Führer von Maurizio Oviglia, dass man noch oft nach Sardinien fahren muss, um sich einigermaßen als Kenner der Insel bezeichnen zu können!
Josef Brandl & Gernot Goluch, April 2006
Gute Information rund um Sardinien unter www.sardinien-entdecken.de/



September 12th, 2006 - 21:00
war schon 7 mal auf sardinien (meist jeweils mehrere wochen) und habe immer noch bei weitem noch nicht alles gesehen …. ein wahres paradies